Ukraine
Bevölkerung
Die Ukraine wird seit etwa 1500 v. Chr. ständig bewohnt. Die slawischen Vorfahren der heutigen Ukrainer siedelten jedoch erst ab dem
7. Jahrhundert n. Chr. in der Region. Ungefähr drei Viertel der Bevölkerung sind Ukrainer, etwas mehr als ein Fünftel sind Russen. Auf
der Krim sind zwei Drittel der Bevölkerung Russen. Kleinere Volksgruppen sind Tataren, Polen, Deutsche, Ungarn, Rumänen und Griechen
(etwa 73% Ukrainer, 22% Russen und 5% Andere). Über sieben Millionen Ukrainer leben in Westeuropa und Nordamerika.
Die städtische Bevölkerung macht 70,3 % der Gesamtbevölkerung aus. Die Hauptstadt KIEW ist die grösste und älteste Stadt. Weitere
wichtige Städte sind Charkiw, Odessa, Lwiw (Lemberg) und Dnjipropetrowsk.
Sprache
Die Amtssprache Ukrainisch ist eine ostslawische Sprache, die nach dem kyrillischen Alphabet geschrieben wird.
Religion
Das Christentum ist die dominierende Religion in der Ukraine, hauptsächlich vertreten durch die ukrainisch-orthodoxe, römisch-katholische
und griechisch-katholische Kirche. Eine aktive Minderheit bilden die evangelischen Freikirchen. Der Anteil Juden wird ständig
kleiner.
Familienstruktur
Junge Leute heiraten zumeist im Alter von 20 bis 25 Jahren. Die Ehe ist nur rechtsgültig, wenn sie in einem „Hochzeits-Palast" geschlossen
wird. Die meisten Paare wollen heute zusätzlich eine religiöse Zeremonie. Hochzeitsfeiern in städtischen Gebieten sind oft aufwendig,
aber wenig traditionell geprägt. In ländlichen Gegenden hingegen sind Hochzeiten große Ereignisse, die im Allgemeinen drei Tage dauern.
Die Durchschnittsfamilie hat zwei Kinder. Normalerweise sind beide Eltern berufstätig. Einrichtungen zur Kinderbetreuung sind jedoch knapp und teuer. Allerdings leben viele alte Menschen bei ihren erwachsenen Kindern und passen tagsüber auf ihre Enkel auf.
Es ist üblich, dass Eltern ihre Kinder bis zum Erwachsenenalter oder sogar noch, wenn sie verheiratet sind, unterstützen. Umgekehrt kümmern
sich die Kinder um ihre altgewordenen Eltern. Außerdem ist es üblich, dass Menschen, die in die Stadt gezogen sind, ihre Kinder im
Sommer für einige Wochen zu ihren Großeltern aufs Land schicken.
Die meisten Familien in den Städten leben in kleinen Ein- bis Zweizimmerwohnungen. Staatliche Wohnungen sind billig, aber miserabel.
Private Vermietungen sind teuer. Nur wenige Menschen besitzen eine Eigentumswohnung. In der Stadt sind die Appartements mit Strom,
Wasser und Gas ausgestattet, während Häuser auf dem Land sehr viel schlichter sind.
Essen und Trinken
Die wichtigsten Grundnahrungsmittel sind Gemüse, Brot, Milchprodukte und stärkehaltige Lebensmittel. Beliebte ukrainische Gerichte
werden aus Getreidekörnern oder Teig hergestellt. Hauptgetreide sind Weizen, Hafer und Hirse. Reis wird grösstenteils importiert.
Ukrainer verzehren gerne Obst wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Erdbeeren und Melonen. Da Frischkost teuer und im Winter schwer erhältlich
ist, legen die Menschen im Sommer und Herbst Vorräte an. Wenn diese nicht ausreichen, weil entweder die Ernte klein oder der Winter
lang ist, dann gehen viele in die Wälder und graben nach Wurzeln.
Morgens gibt es ein leichtes Frühstück, bevor man das Haus verlässt. Mittagessen wird am frühen Nachmittag eingenommen und beinhaltet
meistens Suppe und Brot. Arbeitnehmer nehmen in der Regel Essen von zu Hause mit oder gehen in eine Kantine. Zwischen 18.00 und
19.00 Uhr versammelt sich die Familie zum Abendessen und zur Gemeinschaft.
Allgemeines
Die Ukraine zählt rund 52 Mill. Einwohner und hat eine Fläche von etwa 604 000 km2 (Deutschland 357 000 km2). Die Hauptstadt ist
Kiew mit 2,8 Mill. Einwohnern. Die Kindersterblichkeit beträgt durchschnittlich 1,3 %. In der Tschernobylzone ist die Kindersterblichkeit
(0-3jährig) unerträglich weit über dem Durchschnitt.
Regierung
Die Ukraine ist eine parlamentarische Demokratie. Der Präsident (Leonid Kutschma) ist das Staatsoberhaupt. Er wird direkt vom Volk für
fünf Jahre gewählt. Das Parlament besteht aus 450 direkt gewählten Abgeordneten. Zur Zeit (1999) regiert die Kommunistische Partei. In
der Opposition sind die Demokratische, Christdemokratische und die Bauer-Partei.
Zeitgeschichte
Die Ukraine wurde am 1. Dezember 1991, nach dem Zerfall der UdSSR, unabhängig. Viele der Probleme, die nach der Erlangung der
Unabhängigkeit auftraten, betrafen das Verhältnis der Ukraine zu Russland, hauptsächlich wegen der Krim, wo eine russische Mehrheit
lebt. Nach der Unabhängigkeit beanspruchte sowohl die Ukraine als auch Russland den Besitz der Schwarzmeerflotte, die im Hafen von
Sewastopol auf der Krim stationiert ist. Sie einigten sich auf eine Teilung der Flotte, doch Ende 1996 war die ehemals sowjetische Flotte
immer noch ungeteilt in Sewastopol stationiert.
Wirtschaft
Die Wirtschaft der Ukraine litt unter der Planwirtschaft, dem Kollektivismus und der Konzentration auf die Schwerindustrie, als das Land
noch zur UdSSR gehörte. Das Land war der Hauptproduzent von Nahrungsmitteln in der UdSSR (ein Viertel der Gesamtproduktion).
Heute könnte eine Neuordnung und Modernisierung der Landwirtschaft ein gutes Exporteinkommen sichern. In der Ukraine lagern grosse
Kohle- und Eisenvorkommen sowie Mangan, Salz, Schwefel, Kreide, Gips, Torf und Nutzhölzer. Öl muss importiert werden.
Nach der Erlangung der Unabhängigkeit folgten mehrere schwere Wirtschaftskrisen. 1995 konnte die Ukraine die Ölimporte nicht bezahlen
und hatte gegenüber Russland Schulden in der Höhe von 8 Milliarden DM. Durch rigorose Privatisierungen tausender Staatsbetriebe
und einer Landwirtschaftsreform gewann die große Wirtschaftsreform Mitte 1996 langsam an Schwung.
Die Landeswährung: 1 Griwna = 100 Kopeken.
Verkehr und Kommunikation
Der öffentliche Personenverkehr funktioniert in städtischen Gebieten gut. Straßenbahnen und Busse sind die wichtigsten Verkehrsmittel, in
einigen Städten gibt es auch Untergrundbahnen.
Die meisten Familien besitzen kein Auto. Das Straßennetz ist weitläufig, aber in schlechtem Zustand. Kraftstoff ist sehr teuer. In ländlichen
Gegenden fährt man Fahrrad, die nächsten Städte sind mit dem Bus oder der Bahn zu erreichen.
Das Schienennetz ist gut, die Züge müssten jedoch modernisiert werden. Wie in allen ehemaligen Sowjetrepubliken bedarf das Telefonnetz
einer Modernisierung. Auch der Postverkehr muss verbessert werden. Es herrscht Pressefreiheit, doch alle Radio- und Fernsehsender sind
noch in Besitz des Staates.
Gesundheitswesen
Dieses ist für alle kostenlos. Die Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen verfügen aber nicht über genug Geräte und
Verbrauchsmaterial. Das volle Ausmass der durch die Atomkatastrophe in Tschernobyl (April 86) hervorgerufenen Gesundheits- und Umweltschäden
ist noch nicht absehbar. Tausende Menschen starben und Hunderttausende erkrankten (sehr häufig: Blutkrebs und Herzerkrankungen).
Bei Menschen und Tieren werden genetische Mutationen festgestellt. Die Regierung hat zugesichert, das Kernkraftwerk
bis zum Jahr 2000 stillzulegen.
